Die Erwartung steckt schon im Preis

Jede Woche erscheinen Prognosen: zum Zinsniveau, zur Konjunktur, zum Ölpreis, zum Stand des DAX am Jahresende. Sie werden von klugen Menschen mit guten Daten erstellt. Und sie helfen bei der Geldanlage trotzdem selten weiter.

Das ist kein Vorwurf an die Fachleute. Es liegt an der Funktionsweise von Märkten.

Ein Kurs ist kein Urteil über die Qualität eines Unternehmens. Er ist der Preis, auf den sich Käufer und Verkäufer gerade geeinigt haben – und in ihn ist bereits eingeflossen, was beide Seiten wissen und erwarten. Wenn allgemein erwartet wird, dass ein Unternehmen im nächsten Jahr stark wächst, ist dieses Wachstum längst bezahlt.

Wer daraus einen Vorteil ziehen will, muss deshalb nicht recht haben. Er muss mehr recht haben als der Markt insgesamt – und zwar oft genug, um die Kosten des Versuchs wieder hereinzuholen. Das ist eine sehr viel höhere Hürde, als es zunächst klingt.

Dasselbe gilt für den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt. Die stärksten Börsentage liegen meist unmittelbar neben den schwächsten – mitten in Phasen, in denen Aussteigen am naheliegendsten wirkt. Wer den Markt verlässt, um die schlechten Tage zu vermeiden, verpasst mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die guten. Man müsste zweimal richtig liegen: beim Aussteigen und beim Wiedereinsteigen. Und die zweite Entscheidung fällt erfahrungsgemäß schwerer als die erste.

Was stattdessen wirkt. Vier Dinge lassen sich tatsächlich steuern: die Struktur des Depots, die Kosten, das eigene Verhalten in schlechten Phasen und die Zeit, die man dem Ganzen gibt. Keines davon setzt voraus, die Zukunft zu kennen.

Was das für unsere Arbeit bedeutet. Wir wissen nicht, was die Märkte im nächsten Jahr tun. Das ist kein Eingeständnis, sondern der Ausgangspunkt: Eine Strategie, die eine richtige Prognose voraussetzt, ist keine Strategie. Sie ist eine Wette.

Deshalb finden Sie auf dieser Website keine Marktkommentare und keine Jahresausblicke. Was Sie finden, sind Grundsätze, die auch dann noch gelten, wenn die Schlagzeilen andere sind.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Anlageberatung, keine Empfehlung und kein Angebot. Kapitalanlagen können im Wert schwanken und Verluste verursachen. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse.

Ob Ihr Depot auf eine Prognose gebaut ist oder auf eine Struktur, sehen Sie oft erst, wenn es jemand auseinandernimmt. Genau das ist der Depot-Check.